Nur ein Wassertropfen

... oder die Mühen einer Hobbyfotografin. Wie kann ein Schnappschuß des Wassertropfens eingefangen werden? Ein Erfahrungsbericht zeigt, welche Hürden hierbei genommen werden müssen. Vielen Dank an Marga für diese tolle Story!

Noch keiner ist als Profifotograf vom Himmel gefallen, aber was nicht ist kann ja noch werden.

Wie diese Aufnahme entstand:

WassertropfenAls erstes koche ich Kaffee, da kann man (Frau) sich besser konzentrieren. Und natürlich hole ich mir eine Glasschüssel aus dem Schrank und fülle sie mit Wasser. Der Tropfen soll ja ins Wasser fallen und eine Wellenbewegung produzieren.

Doch leider ist der Akku der Kamera wieder mal leer. Aber in der Zwischenzeit kann ich schonmal Kaffee trinken und mir ausmalen wie perfekt das Bild sicher wird. Nachdem ich in meiner Gedankenwelt den Kaffee leergetrunken habe, kann es weitergehen. Nur noch den Akku einstecken und Einstellungen kontrolieren, Makrolinse drauf und schon kann es losgehen.

Wie geht das? Ein 1 Cent Stück nehmen, reinfallen lassen und noch rasch mal kurz den Auslöser drücken! Gesagt, getan. Doch es waren mehrere Tropfen, die aber alle schneller waren als ich mit dem Auslöser. Und schon denke ich nach, welcher Tropfen der Richtige gewesen wäre. Es muss auch leichter gehen. Ich nehme die Makrolinse runter und versuche ob ich so einen Tropfen einfange. Immerhin ist dieser jetzt viel kleiner und besser einzufangen.

Nein, das war auch nichts. Jedesmal wenn ich das 1 Cent Stück ins Wasser fallen lasse ist meine andere Hand mit dem Auslöser nicht schnell genug. Hm, ca. 30 Bilder die schon nichts geworden sind. Ich denke - es muss was schwereres her, vielleicht sind die Tropfen dann größer. Mein Blick wandert zur Obstschale, der Apfel, mit dem könnte das was werden. Doch ich merke, dass der Versuch mit dem Apfel zu keinen Erfolg führt. Mittlerweile schwimmt die Tischdecke im Wasser.

Die Gedanken kreisen. Ich mache mir noch einem Kaffee und überlege. Ein Blitzgedanke schießt mir durch den Kopf, der Wasserhahn, Tropfen am Wasserhahn! Ich bringe meine Makrolinse am Wasserhahn in Position. Aber auch hier sind die Tropfen schneller als ich, oder so langsam, dass es mir zu blöd wird. Das Ergebniss: Weitere 30 Bilder die vollkommen unscharf sind.

Der dritte Kaffee steht an und ich befrage das allwissende Internet. Dort finde ich den Tipp mit den Frischhaltebeutel. Genau, das ist es! Noch einmal fülle ich die Glasschüssel wieder auf. Der Inhalt befindet sich ja nicht mehr in der Schüssel, sondern hat sich über die tropfende Tischdecke auch auf den Boden ausgebreitet. Auf dem Küchenboden, lauter kleine Pfützen, auf denen ich fast ausrutsche, aber egal.

Jetzt mach ich aber ein Bild. Ich nehme einen Frischhaltebeutel aus meiner Schublade und fülle ihn mit Wasser. Aber wo soll ich ihn über der Schüssel befestigen. Mein Blick schweift umher und nach oben. Die Deckenlampe soll diesen Zweck erfüllen. Mit einer Kordel binde ich den Beutel an der Lampe fest. Dämlich ist nur, dass die Wasserschüssel nicht genau darunter steht. Ich schiebe die bis oben gefüllte Wasserschüssel quer über den Tisch bis zum Beutel. Das Wasser schwappt über und ich bekomme nasse Füße. Vielleicht hätte ich meine Gummistiefel anziehen und ein gelbes Schild mit der Aufschrift "Wet Floor" aufstellen sollen.

Dem baumelnden Beutel verpasse ich nun ein kleines Loch mit einer Nadel. Anfangs tropft das Wasser etwas langsam, aber ich warte geduldig mit meiner Kamera. Für eine gute Schärfeneinstellung halte ich eine Nagelfeile an die Position wo der Tropfen ins Wasser fällt. Ich erstelle eine Probeaufnahme mit der Nagelfeile. Mehr Tropfen müssen her und ein weiters Loch steche ich in den Beutel.

Jetzt geht es endlich los. Zunächst betätige ich den Auslöser, drücken, drücken, drücken. Ich verschieße fast mein gesamtes Magazin. 200 Aufnahmen habe ich gemacht. Irgendein Bild wird wohl scharf sein. Doch nun ist der Akku wieder leer. Austausch-Akku rein und es geht weiter ...

Doch dann bemerke ich, als der Beutel mit Wasser leer ist, dass eine Überschwemmung am Fußboden droht. Um zu schauen, ob einige Bilder etwas geworden sind, fahre ich erneut den Rechner hoch. Die ersten Bilder erscheinen auf dem Monitor und ich bin enttäuscht. Das Fensterlicht sorgte ordentlich für Überstrahlungen. Alle Bilder sind nutzlos.

Mit einem goldfarbenen Tuch schatte ich die Schüssel ab und stelle mich diesmal mit dem Rücken vor das Fenster. Ein letztes Mal fülle ich den Beutel mit Wasser, welchen ich wieder aufhänge und mit der Nadel durchsteche. Und weiter geht es, wieder ca. 200 Bilder. Der Beutel ist leer und ich bin glücklich, denn es war ein Bild dabei welches mir gefiel! Wieder fahre ich den PC hoch um die Bilder auf die Festplatte zuschieben und durchzusehen.

Endlich, alles prima, ich habe einen scharfen Tropfen fotografiert. Das laute Klingeln des Telefons reißt mich unsanft aus meinen Glücksgefühlen! Es ist mein Mann und er kündigt an, dass er gleich nach Hause kommt. Ich schaue auf das Chaos in der Küche und eine gewisse Panik macht sich bei mir breit. In Windeseile beseitige ich die Spuren dieser Foto-(Wasser) Safari. Doch angesichts meines Erfolges bin ich froh diese Mühen auf mich genommen zu haben. I'm so happy.

Und wenn meine Kamera das Wasserbad überstanden hat, so fotografiere ich noch heute.

 

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